Bodenschneid - ein Frühlings-Wandertraum am Tegernsee

8.00 Uhr morgens, ein Blick aus dem Fenster vom Hotel Concordia läßt für den heutigen Tag nichts Gutes erwarten, nur Petrus oben vertritt eine andere Meinung nach dem gestrigen Regentag.
Wir lassen uns trotzdem nicht abhalten und starten mit dem Shuttle Bus vom Hotel Concordia von Bad Wiessee über Rottach-Egern nach Enterrottach zum Parkplatz an der Mautstraße fahren.

Nebelfetzen wabern über den See und bilden unwirkliche Formen. Unser Weg führt jetzt durch den Wald bergan. Das frische Gras leuchtet grün mit silbernen Regentropfen zwischen den letzten Schneeresten im Schatten. Kleine blaue und gelbe Blumen am Wegesrand, Vogelzwitschern und das leise plätschern der Rottach - ein wunderschöner Auftakt für unsere Wanderung.

Langsam kündigt das Rauschen des Baches die Rottacher Wasserfälle an. Ein Abstecher nach unten wird belohnt mit tausend glitzernden Wassertropfen in den ersten Sonnenstrahlen. Frische Waldluft belebt die Sinne und wir steigen weiter auf zur Talstation der Suttenbahn. Als erste Gäste steigen wir ein und schweben über sattes Grün, mit wärmenden Sonnenstrahlen, der Bergstation entgegen.

Das Bergrestaurant hat schon geöffnet, die Bedienung wischt die letzen Regenreste von Bänken und Tischen und wir genießen unseren Latte Macciato mit herrlichem Blick auf Stümpfling und Sutten. Der Getränkevorrat im Rucksack bleibt dem langen Aufstieg vorbehalten. Wir verlassen den schönen sonnigen Biergarten, zwängen uns durch ein enges Weidezaundrehkreuz und steigen den Grasbuckel hinauf der uns aber mit einem Blick zur oberen Firstalm, Spitzingsee, Taubenstein und Rotwand belohnt. Da kommt uns in den Sinn, daß dort leider ?Bruno? sein Leben durch eine Gewehrkugel ausgehaucht hat. Wir atmen wieder langsamer, da es erst mal wieder runtergeht bis der Weg von der Firstalm unseren kreuzt. Eine kleine Lichtung links gibt den Blick frei auf das Valepper Tal und drüben Wallberg und Risserkogel.

Von nun an geht es bergauf durch felsiges Gelände und der Puls wird schneller. Langsam immer im gleichen Tempo aufwärts, immer wieder gibt der Wald den Blick zur Brecherspitz frei. Die Höhenmeter und die wärmenden Sonnenstrahlen dazwischen treiben uns den Schweiß auf die Stirn. Endlich haben wir die Waldgrenze erreicht und das Atmen wird leichter auf dem Bergrücken.

Plötzlich wird es kälter - eine Nebelwand im Wind treibt vom Bodenschneidhaus herauf. Schnell ziehen wir unseren Anorak über, ziehen Handschuhe und Mütze an und gehen im dichten Nebel weiter. Die Wegzeichen sind undeutlich geworden, aber trotzdem verirren wir uns nicht. So plötzlich wie sie gekommen ist, verschwindet die Nebelwand und gibt uns den Blick auf das Kreuz der Bodenschneid frei. Nach wenigen Serpentinen stehen wir am Gipfelkreuz und beglückwünschen uns gegenseitig. Der Panoramablick ist gigantisch:
Großvenediger, Bayr. Schinder, Wilder Kaiser, Wendelstein, Inntal.
Unten das Bodenscheidhaus, und zur linken blinkt der Tegernsee mit der Sonne um die Wette.

Der Blick geht zum Karwendel, Rofangebirge mit dem Guffert vorne, über den Risserkogel und Blankenstein zurück zum Wallberg. Wir gönnen uns einen herzhaften Schluck aus der Teekanne uns lassen uns von der Sonne verwöhnen.

Der Abstieg beginnt über Felsformationen ostwärts, unsere Wanderstöcke sind jetzt Gold wert, da alles sehr glitschig und rutschig vom gestrigen Regen ist - einer hat schon Bekanntschaft mit dem Baz gemacht und schaut jetzt entsprechend aus. Durch Büsche mit dem ersten Grün und schwellenden Knospen kommen wir dem Bodenschneidhaus näher und freuen uns auf eine herzhafte Brotzeit mit einer Radlermaß.

 

Inzwischen sind schon mehrere Wanderer unterwegs, die alle mit einem herzlichen ?Grüss Gott beinand? oder ?Habe die Ehre? begrüsst werden. Wir folgen dem Wirtschaftsweg Richtung Schliersee und biegen dann nach links ein über die Almen nach Enterrottach zum Parkplatz. Ein herrlicher Tag geht damit zu Ende mit dem Versprechen, sobald es geht den nächsten Gipfel zu erklimmen.

G. W. Schönauer-Wanninger

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